1 Relativer Solipsismus 2 Wirklichkeit und Illusion 3 Programm der Natur 4 Mensch und Individuum 5 Kosmische Lebenserhaltung 6 Theismus und Atheismus 7 Geistiger Pfad Über mich zur I.  Haupt-Schrift zur II. Haupt-Schrift
II.7 Geistiger Pfad Weg des Wissens.  Irgendwann begnügt sich ein Individuum nicht mehr mit den oberflächlichen Antworten der  Gesellschaft. Es beginnt die Antworten zu hinterfragen und damit Fragen über die Hintergründe  seiner Welt zu stellen. Das Individuum wird in seiner Welt auf vielerlei Antworten stoßen. Aber  welcher Antwort sollte es Glauben schenken? Es wurde schon fast jede Meinung, Lehre, Dogma in der  Geschichte vertreten. Und warum bei einer bestimmten Lehre stehen bleiben? Woher will das  Individuum wissen, dass ihm hier Wahrheit präsentiert wird? Es muss jede Lehre hinterfragen und  sie somit selbst überprüfen. Es darf keiner Antwort einfach Glauben schenken.  Es kann nur einen Weg des Wissens geben, denn es kann kein gegenteiliges Wissen geben. Nur  die Wege des Glaubens sind zahlreich. Nur am Marktplatz der Spekulationen gibt es das vielfältige  Angebot an unterschiedlichen Überzeugungen, Richtungen, Wegen. Die entscheidende Frage ist: Wer  hat Recht? Wenn dem Individuum Wahrheit wirklich ein tiefes Anliegen ist, dann kann es Wahrheit  nicht dem Glauben überlassen. Die Chancen, dass es aus dem vielfältigen Angebot das Richtige wählt,  sind minimal. Bei einem echten Anliegen ist die Maximierung der Chancen jedenfalls geboten. Also  wird das Individuum die Glaubens-Systeme und damit seine Welt infragestellen müssen. [1]  Wenn ein Individuum vorgefertigte Antworten nicht mehr akzeptiert, ist es bereit für die Suche nach dem Wissen. Dieser Geistige Weg muss notgedrungen ein kompromissloser Weg sein. Es geht um Wahrheit  und nichts als die Wahrheit. Wahrheit kann keinen Kompromiss dulden. Bereits die geringste  Abweichung von Wahrheit erzeugt Lüge. Diese essentielle Kompromisslosigkeit ist eine Qualität des  gesamten Geistigen Weges. Die Ablenkungen dieser Welt sind legendär, die Trancen tief und die  Verluste des Suchenden hoch. Aus der Sicht des Menschen ist es ein Weg des Sterbens. Hier kann nur  der bestehen, der diesen Weg um jeden Preis gehen muss. Er hat gar keine andere Wahl. Um auch ans  Ziel gelangen zu können, muss das Individuum dem Weg kompromisslos folgen:  Der Geistige Weg spricht: „Geh’ bis ans Ende der Welt! Richte Dich nur bedingt nach  Hinweisschildern, halte nirgendwo an, besonders nicht an Wegsperren. Du musst alle geistigen  Schranken durchbrechen. Es gibt nur drei Zauberworte: Weiter! Weiter! Weiter! Du musst so weit  gehen, bis Du nicht mehr weiter gehen kannst, dorthin, wohin sonst kaum jemand geht. Und  bedenke: Die Welt verbirgt diesen Punkt. Es ist der Punkt ihrer Enttarnung. Kein Hinweisschild  deutet direkt auf diesen Punkt hin. Du musst ihn selbst finden. Wenn Du aber bis zu diesem  ultimativen Punkt gehst, wirst Du die Wahrheit über Deine Welt und Dich selbst entdecken.“  Der Geistige Weg ist ein kompromissloser Weg. Er ist eine Bresche durch ein Gestrüpp aus Unwahrheit. Wenn dieser Geistige Weg in die Irre führen würde, wenn er nicht die Wahrheit offenbart,  sondern nur eine Lüge über die Welt auftischt, dann könnte dem Individuum nur eines geraten  werden: „Hinterfrage nicht Deine Welt! Gebrauche Deinen Intellekt nur für den Alltag, akzeptiere  diesen Alltag und stelle keine Fragen, die über diesen Alltag hinausgehen. Deine Welt besteht aus  Beruf, Familie, Heim, Freunden, Hobbies, Urlaube. Begnüge Dich damit. Was darüber hinausgeht,  dafür ist Dein Intellekt nicht geschaffen. Er würde Dich auf einen Irrweg schicken. Vertraue dem, was  Du wahrnimmst. Alles andere sind fruchtlose Hirngespinste.“  Mit dieser oberflächlichen Einstellung wird das Individuum aber zu einem stumpfen Mitläufer  der Masse erzogen, einer unreflektierten Marionette des etablierten Systems. Es muss zugestanden  werden, dass mit dieser Einstellung neue Ideen, neue Wege und somit letztlich Evolution unmöglich  ist. Dem Individuum muss also auch das Hinterfragen zugestanden werden. Damit wird aber die Türe  zu genau jenem Prozess geöffnet, der das konsequente Individuum letztlich zu den vermeintlich  unwahren Erkenntnissen des Geistigen Weges bringen würde. Es muss also eine Einschränkung des  Zugeständnisses zum Hinterfragen geben, ein Denk-Verbot.  Aber wo genau beginnt das Denk-Verbot? Wo kann eine Grenze gezogen werden? Die Grenze  hängt von der Perspektive ab. Denk-Verbote sind nur relative Erkenntnis-Schranken. Es kann keine  absoluten Denk-Verbote geben. Das Logische ist auch das Erlaubte. Verboten sind nur absolute  Paradoxa. Logisches Hinterfragen kann objektiv nicht einschränkt werden. Es gibt keine objektiven  Kriterien, keine allgemeingültigen Verbots-Schilder. Das Hinterfragen der Realität muss dem  Individuum somit uneingeschränkt zugestanden werden. Es ist sein Grundrecht. Wenn es konsequent  davon gebraucht macht, kann es der Wahrheit nicht ausweichen.  Es kann keine absoluten Denk-Verbote geben. Das uneingeschränkte Hinterfragen der Welt ist ein Grundrecht des Individuums. Fundamentale Glaubenssätze.  Der Geistige Weg ist der Weg in die Freiheit. Aber Freiheit wovon? Was macht das Individuum zu  einem Gefangenen? Das Einzigartige dieser Gefangenschaft ist die Tatsache, dass sie das Individuum  nicht bemerkt. Es ist eine geistige Gefangenschaft. Diese Gefangenschaft wird aufrechterhalten durch  Schein-Erklärungen und einer Palette von Zwängen und Ablenkungen. Das Individuum wird  manipuliert, von sich selbst weggelenkt und damit in Trance gehalten. Es kann keinen klaren  Gedanken fassen, denn sein Denken geht von einer inhaltlich unwahren Prämisse aus, die diese  Trance erzeugt.  Darum merkt das Individuum seine geistige Gefangenschaft nicht.  Diese Trance verhindert, dass das Individuum tiefere Fragen stellt. Es erkennt darum weder das  Gefängnis noch die Trance, die es in diesem Gefängnis hält. Es ist die (fast) perfekte Gefangenschaft,  denn der Gefangene kommt gar nicht auf die Idee eines Ausbruchs. Er wähnt sich aus Unwissenheit  frei. Aber auch diese Unwissenheit erkennt er nicht, denn sie wird von all dem „Wissen“ seiner Welt  restlos zugedeckt. Das Individuum ist in Tief-Trance. Es hat keine Ahnung, was hier gespielt wird.  Der Geistige Weg führt aber aus dieser tiefen Trance heraus. Dazu muss das Individuum aber erst  erkennen, worin seine Gefangenschaft besteht. Was sind die geistigen Mauern des Individuums? [2]  Die Mauern des geistigen Gefängnisses sind die Glaubenssätze, die das Individuum von Anfang  an von seiner Welt ungeprüft übernommen hat. Auf diesen Glaubenssätzen fußt sein Weltbild. Auf  diesem Weltbild fußt sein Denken. Auf diesem Denken fußen seine Gefühle. Auf den Gefühlen fußt  sein Umgang mit der Welt. Und diese Interaktion nährt wieder die Glaubenssätze. Es ist eine  selbsterfüllende Rückbezüglichkeit. Diesen Teufelskreis des Mitläufertums kann das Individuum nur  durchbrechen, wenn es an der Wurzel ansetzt. Und an der Wurzel liegen die fundamentalen  Glaubenssätze, die elementaren Prämissen seines Weltverständnisses.  Der Weg aus der Trance in die Erkenntnis führt über die Überprüfung der fundamentalen Glaubenssätze. Das Individuum kann seine fundamentalen Glaubenssätze nur durch Logik überprüfen. Die klare  Logik ist der Feind der trüben Trance. Das Puzzle muss am Ende ein logisches Bild ergeben. Es ist  kein wirres Gekritzel und keine willkürliche Anordnung von Steinen. Das Bild ergibt Sinn. Das  Individuum stellt bei seiner Betrachtung fest, dass nichts in diesem Bild zufällig ist. Alles steht mit  allem in einem logischen Kontext. Alles ist an seinem Platz. Alles besitzt Grund und Funktion. Darum  kann nur mit Logik das Puzzle zusammengesetzt werden. Logik ist individuell ungetrübt und darum  objektiv klar. Sie kann objektiv die Glaubenssätze auf ihre Stimmigkeit überprüfen.   Das Individuum wird feststellen, dass es unvereinbare und in sich selbst widersprüchliche  Glaubenssätze vertritt. Das Individuum geht von paradoxen und somit unwahren Prämissen aus. Das  ist eine erschütternde Erkenntnis, denn die Prämissen sind das Fundament des Weltbildes. Und  innerhalb dieses Weltbildes denkt, fühlt und handelt das Individuum. Wenn das Individuum an den  Prämissen rüttelt, dann wackelt sein gesamtes Weltbild. Wenn sich die Prämissen aber gar als  unhaltbar herausstellen, dann stürzt sein Weltbild ein. Daran ist zunächst kein Individuum wirklich  interessiert. Sicherheit zu verlieren, löst naturgemäß Angst aus.  Ein Individuum kann seine fundamentalen Glaubenssätze nur mit Logik überprüfen. Der fundamentalste Glaubenssatz, die Prämisse aller Prämissen dieser Welt, lautet:  Das Objekt existiert unabhängig vom Subjekt!  Ergo:  Die Außen-Welt ist objektiv existent!  Diese Ur-Prämisse ist reine Glaubenssache, denn: Niemand konnte sie jemals empirisch  überprüfen. „Wenn jemand hinsieht, ist immer etwas da. Was aber da ist, wenn niemand hinsieht,  weiß niemand, weil ja alle wegsehen.“ Das ist das Ur-Problem. Jeder glaubt aber ganz fest und  selbstverständlich daran, dass die Außen-Welt immer noch da ist, weil es keinerlei empirisches Indiz  dafür gibt, dass sie weg sein sollte. Diese Prämisse ist daher ein absolutes Postulat, ein Dogma der  Menschheit. Auf ihm ist jedes Weltbild der Menschen errichtet, wissenschaftliche wie auch "religiöse"  Konstrukte. Dieser Glauben kommt noch vor dem Glauben an Gott!  Wer an dieser Prämisse rüttelt, der hat das gesellschaftliche System jedenfalls gegen sich. Das  System kann sich nicht so weit modifizieren, dass es seiner Eigen-Definition als objektive Welt  widersprechen würde. Es kann seine Prämisse nicht aufgeben, denn das würde die Welt als Illusion  entlarven. Die Prämisse des Systems wird vom System daher mit allen Mitteln verteidigt werden.  Dieser Punkt ist der wunde Punkt. Hier an der Prämisse ist das System unmittelbar angreifbar, an  den Konsequenzen der Prämisse nur mittelbar, denn dort kann sich das System durch Spekulationen  dem Angriff entziehen. Aber an der Prämisse steht es mit dem Rücken zur Wand. [3]  Der Glaube an die Existenz einer objektiven Außen-Welt ist das unantastbare Dogma der Menschheit. Soll an dieser Ur-Prämisse gerüttelt werden? Besser nicht, aber Umwerfen wäre ein Sakrileg.  Wenn diese Prämisse fällt, fallen auch alle anderen Prämissen, die aus ihr abgeleitet werden. Es bleibt  kein Stein auf dem anderem, denn dem alten Weltgebäude wird das Fundament entzogen. Am  Geistigen Weg geht es um die Befreiung von der Unwahrheit. Dieser Weg ist radikal, denn er geht zur  Wurzel (lat. radix). Wer an dieser Ur-Schaltstelle die Weiche umstellt, der stellt alle Weichen um,  denn hier liegen die Prämissen aller Wege. Diese Weiche an der Wurzel aller Wege muss umgestellt  werden. Erst dann kann sich ein holistisches Bild ergeben. [4]  Das Umstellen der Ur-Weiche ist eine geistige Rebellion. Es ist die innere Ur-Rebellion, die als  Saat in jedem Individuum angelegt ist. Sie richtet sich nicht gegen ein einzelnes System in der Welt.  Sie richtet sich nicht einmal gegen die Welt als solche. Sie richtet sich gegen das Fundament aller  etablierten Weltbilder. Sie sprengt die geistigen Ketten der Unwahrheit. Nur an ihrer Wurzel kann  Unwahrheit entlarvt werden. An jedem anderen Punkt ist sie so unfassbar wie Nebel und spinnt nur  neue Gespinste hervor. Wer nach Wahrheit sucht, muss zur Wurzel aller Illusionen gehen. Nur dort  kann er das überall sonst unentwirrbare Geflecht aus Lügen und „Halb-Wahrheiten“ entwirren.  Der geistige Weg ist ein radikaler Weg. Er führt zur Wurzel aller Illusionen und aller Wahrheiten. Straße und Pfad.  Es gibt letztlich nur zwei Wege: Materieller Weg und Geistiger Weg. Diese Wege gehen von den  gegensätzlichen Prämissen aus. Sie werden innerhalb konträrer Weltbilder gegangen. Der materielle  Weg ist ein horizontaler Weg. Er spaltet sich in viele verschiedene Wege auf, hinter welchen letztlich  nur ein einziger materieller Weg steht. Alle materiellen Wege sind zu einer breiten Straße  verschmolzen. Auf ihr regiert das materielle Ego, ob nun in Wissenschaften oder Kirchen/Sekten. Es  ist die breite Straße der Menschen, auf der sich alles um den Menschen dreht. Wie unterschiedlich die  Menschen auch sein mögen, ihre Prämisse haben sie gemeinsam.  Alle materiellen Wege sind im Prinzip gleich. Der Mensch wird geboren. Er wird in seine Welt  hinein erzogen. Er übernimmt die Glaubenssätze und Gepflogenheiten seiner Gesellschaft. Er wird  erwachsen, sucht sich Ziele in seiner Welt und strebt diese Ziele an. Wenn er sie erreicht hat, sucht er  sich neue Ziele, denn er kann niemals dauerhaft Befriedigung erlangen. Der Mensch läuft wie ein  Hamster im Rad, selbst wenn er in der Hängematte liegt. Und der Mensch wird älter. Er wird  kränker. Er wird schwächer. Er stirbt und fällt der Vernichtung anheim. Und er hat niemals erfahren,  was es mit seiner Welt auf sich hat, denn er hat sie niemals radikal hinterfragt.  Der materielle Weg ist eine breite Straße, die unweigerlich in den Tod führt. Die Prämisse des Geistigen Weges ist der Masse aber unbekannt. Kaum jemand geht diesen  inneren Geistigen Weg. Der Geistige Weg ist keine breite Straße, sondern vielmehr ein schmaler Pfad.  Es gibt viele „Pfade“ auf der Straße des Kollektivs, aber keiner zweigt wirklich von der Straße ab. Der  Geistige Pfad ist darum unvergleichlich. Er führt in eine neue, eine vertikale Richtung. Sein Ziel ist  nicht Tod und Vernichtung, sondern Leben und Geburt. Dieser Pfad ist im Prinzip immer derselbe  Pfad. Er wird zwar von jedem Individuum individuell gegangen und erhält dadurch seine Nuancen  und Schattierungen, dahinter aber steht das eine Prinzip des Geistigen Pfades. [5]  Der Geistige Pfad ist die Archetypische Reise des Helden. Sie kommt auch in der Suche nach dem  heiligen Gral zum Ausdruck. Der Gral steht für Wahrheit. Die Suche nach Wahrheit endet mit dem  Finden des Grals. Damit ist der Weg des Helden aber noch nicht beendet. Es fehlt der letzte Schritt:  Das Trinken aus dem Gral. Erst mit dem Trinken entfaltet der Gral seine Wirkung. Das Trinken steht  für Akzeptanz der Wahrheit, Hingabe an das Unausweichliche und Loslassen dieser Welt. Hier findet  die Transformation ihren ersten Höhepunkt. Hier kommt der Held auf seiner Reise zu sich. Hier  erwacht er inmitten seines Traums. Hier wird Wahrheit zu unmittelbarer Erfahrung. [6]  Der Geistige Weg ist ein schmaler Pfad, der unweigerlich zur Geburt führt. Der Geistige Weg ist kein Massen-Weg. Wenn auch zu Anfang sich noch einige Neugierige an der  Abzweigung tummeln, so werden sie doch immer weniger, bis das Individuum sich schließlich alleine  auf einem schmalen Pfad wiederfindet. Diesen Pfad wird es nirgendwo organisiert in der Welt finden.  Es wird weder Gruppen finden, die ihn propagieren, noch die ihn offen opponieren.  Der echte Pfad  ist der okkulte Pfad und der Öffentlichkeit unbekannt. Bekannt sind nur seine mythologischen  Gleichnisse auf der Straße der Menschen. Der Pfad ist über eine weite Strecke ein einsamer Pfad.  Wenn aber Individuen einander auf dem Pfad begegnen, dann ist das eine heilige Begegnung.   Offensichtlich lässt der Prozess der meisten Menschen den Geistigen Pfad nicht zu. Sie sind zu  anderen Wegen gezwungen. Die Kausalitäten ihrer Prozesse führen unausweichlich in eine andere  Richtung. Die Überzahl der Menschen wird von dem Pfad aus den verschiedensten Gründen niemals  erfahren. Schuldlos. Und bei den meisten des kleinen Teils, die davon erfahren, lassen ihre  praktischen Umstände ein Einlassen nicht zu. Es ist einfach nicht ihr Weg. Jeder Weg muss in die  Wiege gelegt sein, so auch der Geistige Weg. Da dies nur bei sehr, sehr wenigen der Fall ist, kann  dieser Geistige Weg nur eine kleine Gruppe von Individuen betreffen. [7]  Der Geistige Weg ist kein Weg unter vielen Wegen. Der Geistige Weg ist der okkulte Pfad in die Wirklichkeit für eine kleine Gruppe von Individuen. Diese Individuen sind Geschwister im Geist, Kinder der Wirklichkeit.  [1] Auch (und gerade) Erfahrungen müssen hinterfragt werden. Erfahrungen sind immer subjektiv.  Sie sind darum variantenreich und in jeder Variante überzeugend: Vorherige Leben, Channeling,  Heiligenerscheindungen, Kundalini-Erfahrungen, Chakra-Öffnungen, Bhakti-Erlebnisse, Ekstase,  Liebe, Einheit, Glück und Seligkeit. Dies mögen berührende, subjektive Erfahrungen sein, aber kann  aus ihnen objektive Wahrheit abgeleitet werden? Vielleicht sind diese Erfahrungen nur Teil einer  Traum-Welt. Dies kann nicht ohne Weiteres ausgeschlossen werden. Misstrauen ist berechtigt, denn:  Ein Traum von Einheit, Seligkeit, Liebe, Ekstase mag ein schöner, befriedigender, tröstlicher Traum  sein, aber er macht dem Individuum nicht bewusst, dass es sich in einem Traum befindet. Er deckt  die Wahrheit mit schönen Vorstellungen zu. Wenn Erfahrungen dem Individuum nicht bewusst  machen, dass es sich in einer Vorstellungs-Welt befindet, dann sind diese Erfahrungen für den  Geistigen Weg nur bedingt von Nutzen. Es gibt nur eine einzige Wachheits-Erfahrung in der  Vorstellungs-Welt: Wenn das Individuum unmittelbar zu sich kommt. Das ist Luzidität.  Die Information, die in diesen Schriften vermittelt wird, ist nicht gleich Luzidität! Aber sie stellt einen  Hintergrund dar, vor dem Luzidität verständlich wird. Luzidität ist ein innerer Zustand zwischen  Vorstellungs-Welt und Wirklichkeit. "In der Welt, aber nicht von der Welt." Luzide Zustände können  auch ohne die hier vermittelte Information auftreten. Sie werden dann aber kaum verstanden, denn  sie liefern nicht automatisch die Information mit, die diese Zustände im großen Kontext erklärt. Sie  sind darum instabil und können auch leicht wieder verloren werden.  [2] Diese Trance besitzt 2 Elemente: 1. Da sich die Masse in der Trance befindet, ist die Trance der  Norm-Zustand. Er ist der Referenz-Wert. Er wird „Wachheit“ genannt. Die Trance ist somit nicht zu  erkennen, denn aufgrund ihrer Definition als Wachheit wird bereits ausgeschlossen, dass es sich um  Trance handeln könnte. Da alle darin übereinstimmen, dass dieser Trance-Zustand Wachheit ist,  bestätigen alle einander immerzu. Sie finden für ihre Meinung den Rückhalt in der Masse. Darum ist  die Masse in ihrer Meinung gefestigt und ihre Trance ist tief.  2. Gruppen-Zwang. Der Mensch ist ein Herden-Tier. Er braucht den Schutz der Gruppe. Darum  unterliegt er auch ihren Zwängen. Er muss die Gruppe unterstützen, mitmachen, dazugehören, kurz:  Er muss sich im Gruppen-Zustand befinden. Wenn die Gruppe nun aber die Masse umfasst, dann ist  der Gruppen-Zwang nicht zu überbieten. Nicht Mitmachen steht hier gar nicht zur Diskussion.  Wahrheit ist das, was die Masse Wahrheit nennt. Wer Gegenteiliges behauptet, ist ein Narr. Niemand  will ein Narr sein. So wird jeder vom Gruppen-Zwang in der Trance gehalten.  [3] Die Unlogik des konventionellen Weltbildes ist nur schwer zu erkennen. Dieses Weltbild ist  schlüssig und plausibel, solange man nicht an seine Wurzel geht. Aber bis zur Wurzel ist es ein weiter  Weg. Kaum jemand weiß, dass es diese Ur-Prämisse und ihre Ur-Gegen-Prämisse überhaupt gibt.  Vor die Wahl der Ur-Prämissen wird niemand gestellt. Das Individuum kennt keine Alternative zu  seiner Prämisse. Es kommt daher gar nicht auf die Idee einer Infragestellung. Darum fällt ihm auch  die Ungereimtheit und Unhaltbarkeit seines Weltbildes nicht auf.  [4] Es gibt Spiele, bei welchen Einzel-Bilder so zusammengesetzt werden müssen, dass sie ein  sinnvolles Bild ergeben. Wenn dies aber mit horizontalen Methoden versucht wird, also mit  Methoden, die sich aus Gewohnheit ergeben oder von Einzel-Bildern aufgedrängt werden, wird das  Bild immer einen Haken haben. Ein Teil passt, dann aber der andere wieder nicht. Die Lösung ist im  Prinzip aber ganz einfach. Das Schwierige daran ist nur, dass man völlig umdenken muss. Der  Knackpunkt liegt immer im Durchbrechen des gewohnten Denk-Schemas.  Solche Spiele sind Metaphern für den Erkenntnisprozess mit seinen 4 Stadien: 1. Zunächst wird die  Lösung nach dem gewohnten Schema gesucht. Das Schema wird immer wieder durchlaufen und  dieselbe Methode angewendet. 2. Es wird erkannt: So kann es offenbar nicht funktionieren. Nun wird  nach einer neuen Lösung gesucht, aber mit Rückfällen ins alte Schema. 3. Nichts funktioniert.  Ratlosigkeit. Frustration. 4. Klick! Heureka! Die Lösung taucht scheinbar aus dem Nichts auf. Das  Nicht-Offensichtliche wird offensichtlich. Das Einfachste wurde übersehen.  [5] Gleichnis: Der Geistige Pfad ist wie eine Schwangerschaft. Es gibt individuell verschiedene  Schwangerschaften. Dennoch läuft jede Schwangerschaft nach demselben Prinzip ab. Das Kind  bewegt sich innerhalb eines relativ engen Rahmens an Vorgaben. Es gibt feststehende Phasen, die  innerhalb ihrer Zeitorben durchlaufen werden müssen. Sie werden zwar individuell durchlaufen, aber  hinter der individuellen Verwirklichung steht der allgemeingültige Plan im Medizinbuch. Nach  diesem Plan müssen sich alle funktionierenden Schwangerschaften richten.  [6] Die archetypische Reise des Helden ist ein mythologisches Ur-Muster, das sich in allen  Abenteuergeschichten findet. Diese universelle Geschichte gibt es in unzähligen Varianten. Die  Geschichten der Bibel mit ihren Fraktalen folgen ebenso diesem Muster, wie auch Geschichten der  griechischen Mythologie oder der Märchen/Legenden. All dies sind materielle Gleichnisse für den  Geistigen Weg. Diese Geschichten sind voller Symbole, die für geistige Inhalte stehen. Wenn man die  Geschichten auf ihre klassische Essenz reduziert, dann besitzt die Reise 3 Phasen:  Phase 1: Normales Leben in Unwissenheit mit der Schwelle ins Abenteuer am Ende. Phase 2: Suche  nach dem Kleinod mit der Schwelle des Findens/Inkorporierens am Ende. Erste Klimax! Phase 3:  Konfrontation des Helden mit den Konsequenzen von Phase 2. Der Held kehrt mit dem Kleinod in die  Alltags-Welt zurück, wird von der Opposition aber eingeholt. Klimax der Handlung! Das Kleinod  muss verteidigt werden. Es kommt zur letzten Prüfung (Kampf, Ringen, Versuchung), bevor der Held  in einer Katharsis die ultimative Schwelle ins neue Leben überquert.  [7]  Der Geistige Pfad kann niemals ein missionarischer Weg sein. Er ist ein Anbot. Für die Masse  besteht aber gar keine Möglichkeit der Annahme. Darum kann das kosmische Angebot des Geistigen  Pfades auch nicht an die Masse gerichtet sein. Es wäre nicht logisch, jemandem etwas anzubieten, das  er gar nicht annehmen kann. Die Masse fühlt sich also zu Recht nicht angesprochen. Sie muss den  anderen Weg gehen. Niemand muss zum Geistigen Weg überredet werden. Wem dieser Weg  bestimmt ist, der findet ihn ganz natürlich in sich. Er hat keine Wahl.  Es scheint skandalös, aber es gibt eine privilegierte Gruppe im Geist. Das Privileg ergibt sich aus der  Tatsache, dass der Geistige Pfad nicht im Grab endet, sondern in die Wirklichkeit führt. Sehr wenige  haben die Chance, in diese Wirklichkeit zu gelangen. Aber warum genießt eine kleine Gruppe  gegenüber der Masse das Privileg der geistigen Geburt? Es gibt keine Willkür im Kosmos. Der  Kosmos ist eine logische Ordnung. Wenn aus der Masse eine kleine Gruppe von Anfang an  herausgehoben ist, dann hat das seinen guten Grund ... Verstehst Du?   Fasse es. wer er fassen kann!  
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